Mensch-Schnecke, eine ohnehin schon problematische Beziehung (weil wäh, schleimig). Geht es um den Gemüsegarten, wird das Ganze noch problematischer. Und wenn es sich dann noch um vegetarischen Mensch handelt..ohje. Zuviele Raspelzungen, die einem das begehrte Grün wegraspeln.

Zur Regulierung greift der Mensch zu allem, was effektvoll scheint: Salz, Bierfallen oder chemische Keulen. Im einen Fall grausam, im anderen unsinnig und zerstörerisch. Dazu kommen „mechanische“ Methoden wie Schneckenzäune, Kupfersperren oder das Absammeln und Aussetzen irgendwo anders. Letzteres ist ganz klar keine gute Idee. Im Wald ausgesetzte Schnecken aus dem Gemüsegarten gefährden das dortige ökologische Gleichgewicht.

Wie auch immer, es scheint ein Fass ohne Boden. Die Population schrumpft nicht. Nein, uns Gärtner:innen scheint es sogar, dass die vergangenen milden Winter und feuchten Sommer die Population noch haben wachsen lassen.

Aber stimmt das überhaupt? Nun, die Schneckenwelt ist viel vielfältiger, als wir meinen. In der Schweiz sind rund 204 verschiedene Landschneckenarten bekannt. Davon gehören nur etwa 35 zur Gruppe der Nacktschnecken. Das sind also gerade mal 17%, welche uns Gärtner:innen ins Bockshorn jagen. Der Rest trägt hübsche kleine Häuschen und gehört eher zu den gemütlichen Gartenbewohnern im Laub oder im Boden, als zu den Salat-Räubern. Auch Promis wie die berühmte Weinbergschnecke (die grösste einheimische Art), gehören zu dieser Fraktion.

Die meisten Schnecken sind also ökologisch extrem wertvoll. Sie verwerten abgestorbenes Pflanzenmaterial, helfen damit beim Humusaufbau oder dienen anderen Tieren als Nahrung. Leider sieht die Entwicklung vieler Arten nicht so rosig aus: Rund 40 % aller Schweizer Schnecken stehen auf der Roten Liste bedrohter Arten. Ihre Bestände schrumpfen. Sie sind bedroht durch Umweltgifte und Zerstörung von Lebensräumen. Dazu gehört auch eine einseitige Gartenpflege mit aufgeräumten Rasenflächen, nackten Böden, exotischen Pflanzen, Laubentfernung im Herbst und dem Hang zur sterilen Perfektion.

Empfindliche Schneckenarten finden so kein Schutz, kein Futter, kein Winterquartier. Im Gegenzug profitieren von diesem Übereifer ironischerweise gerade die robusten, invasiven Nacktschnecken wie die orange Spanische Wegschnecke. Sie kommt mit solchen Bedingungen besser zurecht als ihre empfindlicheren einheimischen Verwandten. Seit einigen Jahren breitet sie sich denn auch, befeuert vom Klimawandel, in der Schweiz ungehindert stark aus.

In meinem Garten nutze ich zur Regulierung der Population einen Trick. Schnecken sind wechselwarm. Sinkt die Temperatur stark ab, fahren sie ihren Stoffwechsel herunter. Sie fallen in eine Art Kältestarre und verlieren nach und nach das Empfinden. Ich gehe also in den frühen Morgenstunden oder an regnerischen, bedeckten Tagen durch den Garten, sammle die unerwünschten Tiere von Hand ab und friere sie dann ein. Man kann auch Rhabarberblätter auslegen, welche man dann einrollt und samt und sonders als Burrito ins Gefrierfach legt. Natürlich klingt „Einfrieren“ hart. Aber im direkten Vergleich ist es vermutlich die sanfteste Variante in einer ohnehin unbequemen Situation.

Am Ende bleibt festzuhalten: Schnecken sind Teil der Natur, aber nicht zwingend Teil unseres Salatbeets. Man muss Schnecken auch nicht allein bekämpfen! Igel, Kröten, Blindschleichen oder Eidechsen helfen dabei gern. Ein strukturreicher Garten ist nämlich kein Chaos, sondern ein gut organisiertes Ökosystem mit festen Zuständigkeiten.