Es gibt zwei Sorten von Menschen: Die einen kochen in der Küche – und die anderen leben im Garten. In unserem Gemeinschaftsgarten ist das neu auch möglich. Wir haben eine Feuerschale mit Grillring angeschafft!

Eine Feuerschale mit Grillring ist im Grunde ein kulinarischer Abenteuerspielplatz, ein Schweizer Taschenmesser in Schalenform. Warum das? It’s about the ring! Erst mit Ring wird die Feuerschale zur Angebeteten und bleibt an Gärtners Seite bis in alle Ewigkeit. Molmol, so ist das. Beim Kochen über Feuer ist eben alles eher traditionell.

Der Ring, der bietet nämlich unterschiedliche Hitzezonen: innen brutal heiß (für Fleisch, Pfannen, mutige Experimente), außen moderat (für Gemüse, Brot, langsames Rösten). Man könnte jetzt über Wärmeleitung und ideale Grillmethoden sinnieren, oder aber einfach festhalten: Man lernt mit dem Grillring schnell, wo das Essen überlebt. Auf dem Grillring lässt sich fast alles zubereiten. Pizza-ähnliche Gebilde (mit passendem Aufsatz sogar richtige Holzofenpizza), Pfannengerichte, Suppen im Topf, Gemüse, Pilze, Fleisch, Fisch.

Brot über Feuer zu backen ist eine Mischung aus Handwerk, Intuition und leichtem Gottvertrauen. Besonders gut funktionieren Fladenbrote, Stockbrote oder Naan mit Joghurt im Teig. In Indien wird Naan traditionell im Tandoor gebacken. Dieser Lehmofen wird mit Holz oder Kohle befeuert und erreicht Temperaturen, bei denen Umluftbacköfen nervös werden. Auf der Feuerschale nähern wir uns diesem Prinzip an: hohe Hitze, kurze Backzeit, fein rauchiges Aroma.

Randen, Tomaten, Zucchetti, Kohlrabi, Mais, Mangold, Lauch, Rüebli – alles darf direkt übers Feuer. Kein Umweg über den Kühlschrank ist nötig, da hüpft das ayurvedisch angehauchte Herz. Gemüse grob schneiden, leicht mit Olivenöl vermischen, ein paar Kräuter aus dem Beet dazu hacken, später etwas Salz dazu. Mehr braucht es nicht. Über dem Feuer passiert dann pure Magie: Zucker karamellisiert, Zellstrukturen brechen auf, Aromen konzentrieren sich. Kochen Kinder mit, passieren bei Ihnen dieselben magischen Prozesse: Verhärtete Anti-Gemüse-Positionen brechen auf, Widerstand schmilzt, Kind konzentriert sich aufs Ausprobieren. Selbst Röslichöhl wird da versuchsweise angeknabbert.

In vielen Regionen Afrikas wird bis heute über offenem Feuer gekocht. Eintöpfe, Maisbrei, Fladenbrote und geröstetes Gemüse entstehen in schweren Töpfen über Holzfeuern. Kochen ist sozial – man wartet gemeinsam, rührt gemeinsam, isst gemeinsam. Auch Arumugam, der indische YouTube-Koch macht es vor: keine Hektik, kein Hightech. Nur Feuer, Zutaten, Natur. Draussen Kochen hat in Indien eine lange Tradition, und auch hier geht es vor Allem ums Zusammenkommen. Auch wenn vielleicht hinzugefügt werden muss, dass es bei Arumugam unterdessen wohl auch um Klicks und Views geht. Man möge mir die Bemerkung verzeihen.

Kochen über Feuer ist also keine Mode, sondern ein uraltes Update unserer Beziehung zum Essen: Es gibt wohl keinen schnelleren Weg, Kinder für gesunde Küche zu begeistern, als mittels Kochen von eigenen Gartenprodukten über Feuer. Aus dem mühseligen alltäglichen To-Do wird in Windeseile ein bunter, experimenteller und kreativer Prozess.
Was spricht noch fürs Kochen über Feuer? Draußen sein mindert Stress, fördert Bewegung und Vitamin-D-Bildung. Frisch zubereitete Lebensmittel behalten zudem mehr Nährstoffe. Und eben, gelingt es mal nicht perfekt, nennen wir es einfach «rustikal» oder «authentisch». Aber merke: Schwarze Kruste ist kein Superfood. Kochen über Feuer benötigt eben vor Allem auch Präsenz.