Dünne grüne Stängel, unauffällig, etwas stiefmütterlich vielleicht. Hinter dieser bescheidenen Erscheinung verbirgt sich ein erstaunlich wirkungsvolles Gewächs. Ja, Schnittlauch kann viel mehr als Rühreier zu adeln! Er ist gesundheitlich wertvoll, ein wahrer Insektenmagnet und definitiv dekorativ genug für die Vase.

Schnittlauch gehört zur Gattung „Allium“ und ist damit ein enger Verwandter von Knoblauch und Zwiebel (und natürlich auch dem Lauch). Er enthält Vitamin C, K und A, Folsäure, Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Eisen. Dazu kommen Ballaststoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe, welche antibakteriell wirken und die Verdauung anregen. In der Volksheilkunde galt er lange als „sanfter Blutreiniger“ und als Kraut, das den Frühling offiziell einläutet.

Bereits die Römer wussten den Schnittlauch zu schätzen, kulinarisch als auch medizinisch. Im Mittelalter zierte er Klostergärten und man schrieb ihm eine stärkende Wirkung zu. Darüber hinaus glaubte man im alten Europa sogar, Schnittlauch könne böse Geister fernhalten. In China gilt Schnittlauch noch heute als Symbol für Frische und wird daher bei Neujahrsgerichten verwendet.

Nun ja, gegen Langeweile im Salat hilft er nachweislich und für modernere Spiritisten bietet er sich als Zimmerpflanze zwecks Aromatherapie an.

Was nun aber ob der Fixierung aufs Grüne des Krauts allzu oft vergessen geht: Die rosafarbenen Blüten des Schnittlauchs sind nicht nur essbar, sondern wirklich lecker! Ihr Geschmack ist milder als der der Halme, leicht süsslich und perfekt für Salate, Kräuterquark oder als essbare Tischdekoration.

Ich persönlich liste Schnittlauch unter „Nutzpflanzen mit ästhetische Ambitionen“: Schnittlauchblüten sind (im Garten oder im Blumenstrauss) überaus dekorativ. Sie sind weniger protzig als ihre grösseren Lauchgeschwister und überaus insektenfreundlich. Sogar als Trockenblumen zeigen sich die Blüten luftig und recht farbstabil. In natürlichen Gärten sollte der Schnittlauch daher unbedingt sein Dasein als „Chrütli“ überwinden dürfen. Free the Flowers!

Und die Pflege? Nur nicht übertreiben. Schnittlauch bevorzugt einen sonnigen bis halbschattigen Standort und einen feuchten Boden. Staunässe nimmt er persönlich, Trockenheit toleriert er murrend. Er liebt es zudem, regelmässig geschnitten zu werden. Nicht zaghaft, sondern entschlossen. Beherztes Schneiden wird mit kräftigem Neuaustrieb belohnt. Damit Schnittlauch frisch und vital bleibt, sollte man ihn zudem alle paar Jahre teilen.

Im Winter zieht sich der Schnittlauch unaufgeregt zurück und im Frühling kommt er zuverlässig und in neuer Frische wieder.

Was nehmen wir davon mit? Klar: man muss nicht gross sein, um Wirkung zu zeigen! Manchmal reicht es, fein geschnitten zu werden.

Im Falle von Schnittlauch am besten mit einer Küchenschere.