Um manche Themen kommt man, was den Garten betrifft, einfach nicht herum. Der Kompost gehört da ganz bestimmt dazu, egal wie sehr man sich windet und wehrt. Nun denn – auf geht’s!

Im Kompost trifft alles aufeinander. Schicht um Schicht erschafft sich hier Zukunft aus Vergangenheit. Aus Altem mach Neues. Werden und Vergehen halt, die Grundlage alles Gärtnerns.

Bevor aber alles neu zusammengesetzt wird (compositus), muss alles zerstört werden! «Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie sehr wünschte ich, es würde schon brennen». Im Kompost gelten die gleichen Prinzipien wie auf der Erde überall. Will Neues gelingen, muss Altes weichen. Transformative Arbeit ist von Nöten. Und diese eigentliche Arbeit des Zerkleinerns und Zersetzens erledigen die sogenannten Destruenten. Allen voran die Kompostwürmer. Sie sind klein, nur etwa halb so gross wie die uns bekannten Regenwürmer, aber mindestens genauso gschaffig! Dazu kommen viele Kleintiere, Schnecken, Asseln, winzige Lebewesen; ein ganzer Reigen an hochmotivierten Arbeiter/innen. Nachdem diese das Grobe erledigt haben, erfolgt die Stabübergabe an die Unsichtbaren und Mikroorganismen, Pilze und Algen übernehmen die weitere Zersetzung.

Freunde des Bodens und der Bodenfruchtbarkeit werden jetzt mit den Schultern zucken. Das ist ja alles schon bekannt und sowieso: Mais bien sûr on composte! Abseits der Szene jedoch hat der Kompost einfach nicht das Ansehen, das er verdient. Ich finde, ALLE sollten kompostieren. Kompostieren schafft Vertrauen in die Kräfte der Natur, es ist somit hoffnungsspendend, erneuernd, vielleicht manchmal heilend. Grosse Worte, ich weiss. Wer auch immer aber schon mal das Vergnügen hatte, sich erdig duftende, krümelige schwarze Komposterde aus dem eigenen Alchemie-Baukasten in der hintersten Gartenecke durch die Finger rinnen zu lassen… ihr meine Lieben, ihr wisst was ich meine. Kreislaufwirtschaft, Recycling, Nachhaltigkeit. Die Erde kann das.

Im Biogarten kommt dem Kompost darum eine enorm wichtige Rolle zu. Kompost sorgt nämlich dafür, dass die Pflanzen nicht einfach mit Nährstoffen „gefüttert“ werden, sondern dass der Boden belebt und langfristig gestärkt wird. Er wirkt in Böden also regenerativ. Durch eine aktive Kompostwirtschaft entsteht Fruchtbarkeit aus dem System selbst. It’s a kind of magic! Wirklich? Nein, eigentlich nicht, eigentlich ist es nur logisch. Der Boden ist das, was auch nach der Ernte im System verbleibt. Pflanzen werden nach der Reife geerntet. Düngt man sie mittels mineralischen Düngegaben direkt, bleibt dem System nichts, was einer Folgekultur dienlich wäre.

Mit jeder Schaufel Kompost bringen wir frischen Humus und ein milliardenfaches Bodenleben in unsere Beete. Dies macht den Boden locker, lebendig und fruchtbar. Reifer Kompost beeinflusst das Wasserspeichervermögen, den Nährstoffhaushalt und die Bodenstruktur positiv. Der im Kompost entstandene Humus enthält alle wichtigen Nährstoffe und Spurenelemente in ausgewogener Form. Er ähnelt damit in seiner Wirkung einer Schale Porridge zum Frühstück. Er ist sanft und langfristig sättigend (und zwar den Boden, nicht die Pflanze!) Und als kleines Zückerli obendrauf tragen gewisse mikrobielle Gemeinschaften im Kompost zum Pflanzenschutz bei, indem sie Krankheitserreger abtöten oder diese in ihrer Vermehrung hemmen. Vorausgesetzt, der Kompost erlitt keine Hitzebehandlung.

Wieviel Kompost das eigene Gartenbeet benötigt, hängt von der Bepflanzung und dem vorhandenen Boden ab. Manchmal lohnt sich anfänglich eine Bodenprobe, um sich eine Übersicht über die Ausgangslage zu verschaffen: wieviel Humus hat mein Boden, wie ist die Nährstoffversorgung? Ein guter Richtwert für die Verwendung von Kompost im Hausgarten ist 3 Liter pro Quadratmeter und Jahr. Zu viel Kompost kann langfristig den Salzgehalt im Boden erhöhen – und das mögen Pflanzenwurzeln gar nicht.